VOLKSHOCHSCHULE RHEINZABERN
IN DER KREISVOLKSHOCHSCHULE GERMERSHEIM

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Leiter : Ortsbürgermeister Gerhard Beil, Rheinzabern, den 19.11.2003
 
Slowakei -kein unbekanntes Land mehr

"Unbekanntes Land im Herzen Europas" lautete das Motto der diesjährigen Studienfahrt der vhs-Rheinzabern vom 18. - 25.10.2003 in die Slowakei.

Was wussten wir schon über dieses Land?
Am Anfang waren da sicherlich mehr Klischees als Fakten. Nach genau 1476 km aber war man um viele Erfahrungen reicher. Die Erwartungen wurden weit übertroffen, denn die 31 Reiseteilnehmer erlebten ein interessantes europäisches Kulturland mit warmherziger Atmosphäre und großer Gastfreundschaft. In Reiseführer Marian Bilacic stand zudem der Gruppe ein kompetenter und dynamischer Experte für die Slowakei zur Verfügung, seine Informationen waren dank der Vorarbeit von Reiseleiter Gerhard Beil auf die Gruppe zugeschnitten. Die Slowakei konnte mit allen Sinnen erfahren und erlebt werden, auch blieb viel Zeit zum Verarbeiten der intensiven Eindrücke aus verschiedensten Bereichen. So standen allein vier von fünf Zielen des slowakischen UNESCO-Weltkulturerbes auf dem Programm.

Flagge und Hymne

Die Hymne:

Nad Tatrou sa blýska, hromy divo bijú.
Nad Tatrou sa blýska, hromy divo bijú.
Zastavme sa bratia, ved' sa oni stratia, Slováci ozijú.
Zastavme sa bratia, ved' sa oni stratia, Slováci ozijú.

To Slovensko naše posial' tvrdo spalo.
To Slovensko naše posial' tvrdo spalo.
Ale blesky hromu, vzbudzujú ho k tomu, aby sa prebralo.
Ale blesky hromu, vzbudzujú ho k tomu, aby sa prebralo.

Übersetzung:
Es blitzt über der Tatra, wild grollt der Donner,
Bleibt stehen, Brüder, das geht vorbei, die Slowaken erwachen zu neuem Leben.
Diese, unsere Slowakei hat bis jetzt geschlafen, Aber der Donner und die Blitze ermutigen sie, wieder zu leben.

Text: Janko Matúška

Bratislava -die Hauptstadt
Was die Hymne so pathetisch ankündigt, wollte man natürlich zuerst in der Hauptstadt erfahren. Tradition und Zukunft liegen hier dicht beisammen. Bratislava/Preßburg, die alte Hauptstadt des vor 10 Jahren einmal wieder gegründeten Staates, präsentierte sich im Sonnenschein als Tor zur Slowakei. Dieser kleine Staat mit rund 5,3 Mio. Einwohnern und der Größe Niedersachsens tritt am 1. Mai 2004 der EU bei.

 


Idylle im historischen Stadtkern von Bratislava
Foto Bernd Ohnemüller

Das Ehrenmahl der sowjetischen Armee -zweitgrößtes nach Berlin-Treptow- weist von weitem auf die jüngste Geschichte hin, ebenso wie die mächtigen Plattenbausiedlungen in den Außenbezirken. In der Hauptstadt der Slowakei ist vieles kleiner und überschaubarer als in den Metropolen Europas. Die Pressburg, natürlich, nach 150 Jahren Verfall wieder als Wahrzeichen renoviert, und die reizvolle Altstadt (Foto 1) gelten als touristisches Muss. Die Residenzen von Präsident Rudolf Schuster und Ministerpräsident Mikulas Dzurinda, stattliche Adelspaläste und Bürgerhäuser, enge Gassen oder das Michaelertor zählen zu den architektonischen Rosinen. Im Martinsdom wurden 10 Habsburger und Maria Theresia zu Königen von Ungarn gekrönt. 12 Nationalitäten und 8 Religionen lebten einst hier in kreativer Symbiose; vor allem die Vernichtung der Juden und die spätere Vertreibung der Deutschen gelten als herber Verlust. Die Spuren von deren Kulturleistung sind jedoch noch überall gegenwärtig. Bratislava ist heute die wirtschaftliche Boomtown des Landes, die von einem Gürtel moderner Industrie- und Gewerbeflächen geprägt wird. Jüngstes Erfolgsbeispiel ist der Bau eines Peugeot-Werkes in der Peripherie von Bratislava.

Slovakischer Wein -ein köstlicher Tropfen "Bösing hat die prächtigsten Weingärten", heißt ein alter Spruch. Deshalb lernte man bereits am ersten Abend im nahen Pezinok/Bösing den slowakischen Wein kennen und schätzen. Familie Svestkov -die Tochter ist mit einem Rheinzaberner verheiratet- wollte unbedingt für "die Rheinzaberner" etwas organisieren. Im historischen Gewölbekeller der städtischen Vinothek gab es deshalb einen stimmungsvollen Abend.

Foto 2 (Bernd Ohnemüller) Historischer Weinkeller Pezinok/Bösing

Nach dem Mahl präsentierte Frau Anna Hanuskova charmant und gekonnt acht interessante Tropfen, vom Riesling bis zum "Rulander", die am Osthang der Kleinen Karpaten gute Wachstumsbedingungen finden. Etliche Lieder zur Gitarre (Foto 2) setzten dem netten Abend die Krone auf. Er wird so schnell nicht vergessen werden.

In der einstigen Schatzkammer des Königreiches Ungarn
Über das slowakische Tiefland, die Kornkammer des Landes, wo auch eine ungarische Minderheit lebt, vorbei an der Bischofsstadt Nitra, ging es am zweiten Tagen ins slowakische Erzgebirge. Hier zeigt das einst "silberne" Schemnitz /Banska Stiavnica -UNESCO-Weltkulturerbe- (Foto 3) noch Spuren alter Größe, scheint aber in einen Dornröschenschlaf gefallen zu sein.

Foto 3 (Bernd Ohnemüller) Das einst "silberne" Schemnitz/Banska Stiavnica


Am Anfang stand die Geschichte vom Hirten und dem Salamander, es wurde Goldstaub gefunden. Fugger und Thurzo waren hier dann Magnaten. M. K. Hell entwickelte raffinierteste Abbautechniken mit perfekter Wasserkunst. Hier enstand 1763 die erste Bergbauakademie der Welt. Nirgends gibt es noch so viele deutsche Inschriften. Die prächtige Dreifaltigkeitsäule weist auf den Glanz dieses Ortes hin, der einst drittgrößte Stadt im Habsburgerreich war. Rückgang des Bergbaus und sozialistische Politik führten zur Entvölkerung des Stadtkernes, zum Verfall wertvoller Bausubstanz. Plattenbauten an der Peripherie, Industrieruinen, in denen Roma hausen, gehören heute zur Realität von Schemnitz/Banska Stiavnica. Es gibt noch vieles zu tun.
Im "kupfernen" Neusohl/Banska Bystrica hingegen, das eine günstigere geographische Lage hat als das "bucklige" Schemnitz, beeindruckte der Hauptplatz mit seinem geschlossenen Ensemble. Bemerkenswert die Wiedererrichtung der Mariensäule (Foto 4), die von den Kommunisten entfernt worden war. Maria ist bekanntlich die Schutzpatronin der Slowakei. So war es kein Zufall, dass im September 2003 der Papst hier weilte.

Foto 4 (Gerhard Beil) Mariensäule am Hauptplatz von Banska Bystrica, im Hintergrund (Mitte) der Turm der Marienkirche.
Johannes Paul II. hatte sich erfolgreich geweigert, vor der Kulisse des Museums des Slowakischen Nationalaufstandes (SNP) eine Messe zu zelebrieren. Banska Bystrica hatte nämlich zur kommunistischen Zeit als Ort des legendären Slowakischen Nationalaufstandes SNP eine besondere Bedeutung für den Partisanenmythos. In der Marienkirche, auch "Deutsche Kirche" genannt, begegnete man auch erstmals dem Werk von Meister Paul, der für den Altar der Heiligen Barbara einzigartige Figuren schuf. Nebenbei informierte der Reiseführer über den slowakischen Durchschnittslohn von rund 420,-- €/Monat Brutto, wobei ein Liter Sprit 0,8 € kostet oder für Miete mindestens 100 €/Monat aufzubringen sind. Den größten Teil des Einkommens geben Slowaken übrigens heute für Essen aus, aber nicht allein wegen des Spruchs "Bis der Dicke abnimmt, ist der Dünne schon hin", sondern weil Lebensmittel noch sehr teuer sind.

Die Zeit stand still
Über den Donovaly-Pass und durch das Revica-Tal ging es zum das Fatra-Dörfchen Vlkolinec (Foto 5), ein Ortsteil von Rosenberg/Ruzomberok. Die Zeit scheint hier still zu stehen. Nicht umsonst ist dieses einzigartige Beispiel bäuerlicher Volksarchitektur zum UNESCO-Weltkulturerbe geworden. Mehrmals im Jahr streichen die Bewohner ihre Holzhäuser blau, weiß oder rosarot.

Foto 5 (Gerhard Beil) Vlkolinec Ortseingang

Wiederholt war der Ort schon Filmkulisse. Das einstige Bergbauern- und Holzfällerdorf ist heute von Brache umgeben, die aber noch zeigt, wie hart das bäuerliche Leben im Gebirge ehedem war. "Hungertäler" heißt hier die Gegend, wo es früher viel Alkohol, viele Kinder gab, aber wenig Essen. Idylle nur auf den ersten Blick.

 

Versöhnung über den Gräbern
Ein Land wie die Slowakei zu besuchen, steht unter einem besonderen geschichtlichen Aspekt. So ist die Liptau ist nicht nur wegen des bekannten Käses einen Abstecher wert, sondern hier spiegelt sich auch finstere historische Vergangenheit wider.

Foto 6 (Bernd Ohnemüller) Soldatenfriedhof Vazec

Ziel war deswegen auch der Soldatenfriedhof Vazec, der größte in der Slowakei. 6000 deutsche Soldaten des II. Weltkrieges fanden hier ihre letzte Ruhe, nur 4000 davon sind identifiziert. Ortsbürgermeister Gerhard Beil hielt eine kurze Ansprache und legte auch einen kleinen Blumengruß nieder. Er erinnerte an die beinahe 50 Millionen Opfer des II. Weltkrieges und der Tyrannei, an das Leid und Elend der Soldaten, der Zivilisten, der Verschleppten, Vertriebenen und Ermordeten. Erst seit Fall des Eisernen Vorhangs konnten hier dt. Soldaten eine würdige Ruhestätte finden (Foto 6). "Versöhnung über den Gräbern", das Leitmotto des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, war in diesem Moment kein leeres Schlagwort.

 

Tatra -kleinstes Hochgebirge der Erde
Für fünf Tage sollte das Hotel "Grand" im Kurort Stary Smokovec/Altschmecks der Reisegruppe Quartier bieten, ein nettes Haus -ein Hauch von "Zauberberg"- am Fuße der Hohen Tatra, dem kleinsten Hochgebirge der Welt. Dieses reizvolle Gebirge verbarg aber seine Schönheit meist hinter Wolken und Nebel. Nächtlicher Frost und gelegentlicher Schnee ließen die Rauhheit des Klimas ahnen. Beim Spaziergang rund um den Tschirmersee/Strbske Pleso (Foto 7) jedoch zeigte die "Dame Tatra" auf raffinierte Weise ihre Reize.

 


Foto 7 (Gerhard Beil) Tschirmer See/Strbske Pleso
Für wenige Augenblicke hob sie ihren Nebelschleier, und ein überwältigendes Panorama kam zum Vorschein: Der Krivan (2494 m), das slowakische Matterhorn, der Satan (2421,5 m), die Lomnitzer Spitze (2632 m), der zweithöchste Tatragipfel, und die Gerlsdorfer Spitze (2655 m), der höchste Berg der Hohen Tatra. Bergfreund, was willst du mehr? Zdiar, das 5 km lange Goralendorf in der Weißen Tatra, war nächste Reisestation. Im Heimatmuseum, einem kleinen Gehöft mit dem typischen Innenhof, gab es einiges aus dem kargen Bergleben der Goralen zu sehen. Höhepunkt war eine von den Reiseteilnehmern gespielte Goralenhochzeit (Foto 8) in historischen Trachten und mit originellen Spontantexten. "Bräutigam" und "Brautvater" ließen es sich nicht nehmen, auf das Fest einen auszugeben. Das farbenprächtige Folklore-Ensemble "Janosik" aus Svit, das sich nach dem Robin Hood der Slowakei benennt, brachte an einem Abend mächtig Stimmung ins Hotel und versetzte die Besucher in die "gute alte Zeit".

Bild 8 (Bernd Ohnemüller) "Goralenhochzeit"

Ins Zipser Land und zu Meister Paul
Zu einer touristisch besonderen Region der Slowakei zählt ohne Zweifel die Zips/Spis, wo sich bereits vor 800 Jahren deutsche Einwanderer ansiedelten und wo heute noch viele Spuren dieser Geschichte zu finden sind. Da war zunächst die wunderschöne Kirche mit herrlichem Schnitzaltar in Georgenberg/Spisska Sobota.

Foto 9 (Bernd Ohnemüller) Studie eine Figur von Meister Paul

Dann war da die Sankt-Jakobs-Kirche in Leutschau/Levoca mit dem größten gotischen Schnitzaltar der Welt (Höhe über 18 m) von Meister Paul aus Leutschau. Meister Paul verstand es trefflich, dem Holz eine Seele zu geben (Foto 9). Sein Werk steht dem eines Veit Stoß oder Tilman Riemenschneider nicht nach. Schmucke Bürgerhäuser umgrenzen Leutschaus Zentrum, in dessen Mitte das imposante Rathaus steht. Ob es am Marienberg/Marianska Hora lag, dem Wallfahrtsort oberhalb der Stadt, dass die Sonne wieder strahlte, nachdem in der Nacht zuvor eine Sintflut niedergegangen war?
Foto 10 (Gerhard Beil) Zipser Kapitel (vorne) mit Zipser Burg im Hintergrund
Nach einer Zwischenstation an einem Mini-Geysir im kleinen Naturschutzgebiet Siva brada (Graubart), dem "slowakischen Pamukkale", folgte der Besuch im "Slowakischen Vatikan", dem Zipser Kapitel (Foto 10), wo insbesondere die St. Martins-Kathedrale mit ihren 11 Altären beeindruckte.
 
Nach einem Abstecher vorbei an einer deprimierenden Romasiedlung erfolgte der Aufstieg zur größten Burg Europas, die Zipser Burg -UNESCO-Weltkulturerbe. Von der riesigen Burganlage schweifte der Blick über eine herbschöne Landschaft, die im abendlichen Sonnenuntergang nochmals ihre spätherbstlichen Reize zeigte, aber auch ahnen ließ, wie streng hier die Winter sein können.

Ganz weit hinten ist auch Europa
Über Hopgarten/Chmelnica, dem einzigen Ort der Zips, wo noch größtenteils Deutsch gesprochen wird, steuerte man die ehemalige Königsstadt Bartfeld/Bardejov an, wieder UNESCO-Erbe. Das alte Bartfeld besitzt einen beeindruckenden mittelalterlichen Marktplatz in einmalig geschlossenem Ensemble. Und in dessen Zentrum das Rathaus. Höhepunkt jedoch die kunstreiche Ägidiuskirche, die mit ihren 12 Flügelaltären an die Blüte der Stadt im 16. Jh. erinnert. Vom Kirchturm erlebte der Besucher einen herrlichen Ausblick auf Stadt und Umgebung. Saris heißt diese Gegend in der Nähe des Dukla-Passes, wo 1944/45 schreckliche Kämpfe tobten. Hier im Osten der Slowakei lebt die Minderheit der Ruthenen, die vielfach noch dem griechisch-katholischem Glauben angehören. Diese Minderheit hatte es nach dem Krieg nicht einfach, weil sie nach Rom orientiert ist -im Gegensatz zu den Russisch-Orthodoxen. Ab 1950 wollte man im Zuge der "unverbrüchlichen Freundschaft zu den Völkern der Sowjetunion" die Ruthenen kurzerhand zu russisch-orthodoxen Glaubensbrüdern machen, ihre Priester wurden verhaftet.

 

Foto 11 (Gerhard Beil) Holzkirche in Jedlinka

Vielfach gab es nur noch einen orthodoxen Popen, dennoch blieben viele Ruthenen ihrem Glauben treu. Erst seit den 90-er Jahren gibt es wieder Religionsfreiheit für die Ruthenen, ihre Kirchen wurden zurück gegeben, erklärte Frau Suzzana Hricikova, eine echte Babuschka. Sie ist Sakristanin der wunderschönen Holzkirche von Jedlinka (Foto 11 und 12) am Südrand der Beskiden, nahe der polnisch-ukrainischen Grenze. Hier steht die einzige der Schutzmantelmadonna geweihte Holzkirche der Slowakei.

   

Das dreiräumige griechisch-katholische Kirchlein aus dem Jahre 1763 besitzt farbenprächtige Ikonostasen. Dreiräumig ist die Einteilung in ein Saktuarium, das nur der Priester betreten darf, den Besucherraum und das Weiberhaus. In Hervartov/Herbertsdorf bei Preschov/Eperies schließlich ludt die monumental wirkende hölzerne Franziskuskirche aus der Zeit vor 1500 zum Kurzbesuch ein. Es ist die einzige katholische Holzkirche in der Ostslowakei. Auch hier die Trennung in drei Sektoren. Frau Ruvcin erklärte die Schönheiten der größten Holzkirche der Region, u.a. die zentralen Gestalten der Hl. Katharina, Maria und Barbara. Nette Facetten des christlichen Lebens, das doch die europäische Kultur so sehr prägte und Brücken von Ost nach West schlägt.


Foto 12 (Gerhard Beil) Inneres der Holzkirche von Jedlinka

Kezmarok -die Perle der Zips
Kesmark/Kezmarok, die alte königliche Freistadt, gilt zu Recht als die "Perle der Zips", steht doch die gesamte Altstadt unter Denkmalschutz. Kezmarok war ehedem bedeutende Handels- und Schulstadt. Einmalig die Bibliothek des Lyzeums, das zeitweilig Universitätscharakter besaß und wo bekannte Persönlichkeiten studierten. Über 150 000 wertvolle Bücher besitzt diese reichste und größte Schulbibliothek Europas. Sechs Erstausgaben stammen aus der Zeit vor 1500. Aus dem 16. Jh. sind 3000 Titel erhalten. Frau Slavickova (Foto 13) verstand es geschickt, mit Charme und Fachwissen die Besucher in ihren Bann zu ziehen.

Bild 13 (G. Beil) Lyzealbibliothek Kesmark/Kezmarok
Natürlich zeigte sie auch einige bibliophilen Schätze. Einmalig die hölzerne Artikularkirche mit prächtigen Malereien und einer symbolträchtigen Geschichte. Daneben ein quasi orientalisches Bauwerk des berühmten Architekten Theophil Hansen, die Neue Evangelische Kirche. Sie sollte ursprünglich in Jerusalem stehen, doch man wollte sie dort nicht. So bildet sie eine Besonderheit der Stadt und beherbergt das Mausoleum des Kuruzzen-Führers Thököly, noch heute mit Kränzen verehrt, welche ungarische Farben tragen.

Die Thökölys waren einst auch Besitzer des Stadtschlosses (Foto 14) von Kezmarok, wo Frau Alzbieta Kredatusova eine äußerst lebendige Führung durch Kesmarks vielseitige historische Vergangenheit präsentierte.

Foto 14 (Bernd Ohnemüller) Stadtschloss Kesmark/Kezmarok


Musealer Höhepunkt zum Schluss das Diorama, touristischer Höhepunkt der erste Blick vom Schlossturm über die Stadt bis zu den Karpaten. In jeder Ecke des Museums konnte man die einstige Bedeutung der Stadt geradezu greifen, die so vieles zum Kulturleben und zur Wirtschaft im alten Ungarn beitrug. An diese Zeiten erinnert auch der seit Anfang der 90-er Jahre alljährlich stattfindende Kunsthandwerkermarkt ELRO im Juli. Überall in Kesmark heißt es "Geschichte pur". Am Nachmittag empfing der Bürgermeister der Stadt Kezmarok, Herr Ing. Igor Sajtlava, die Reisegruppe im Rathaus (Foto 15 + 16). Der Primator hielt eine feierliche Rede (Foto 17) und hatte zu dem stilvollen Empfang die wunderbare Musik- und Trachtengruppe "Goralik" (Foto 18) engagiert. Den überaus freundlichen Worten des Primators antwortete Ortsbürgermeister Gerhard Beil mit einem historischen Bogenschlag von der Zips in die Pfalz.
Foto 15 (Gerhard Beil) Rathausturm Kesmark/Kezmarok

Ein emotionaler Moment, auf den mit Tokayer angestoßen wurde. Kurzerhand wurden die vhs-Reiseteilnehmer zu guten Botschaftern der Stadt Kezmarok und der gesamten Zips erklärt, worauf der Eintrag ins Gästebuch der Stadt erfolgte.


Foto 17 (Bernd Ohnemüller) Rede des Primator Herr Ing. Igor Sajtlava

Foto 16 (B. Ohnemüller) Vor dem Rathaus Kesmark/Kezmarok

Ein Besuch beim Karpatendeutschen Verein der Region Oberzips im Haus der Begegnung sollte zu einem weiteren Höhepunkt werden. Hier erklärte der Vorsitzende Vojtech Wagner (Foto 19) die Arbeit des Vereins, der liebevoll die deutsche Kultur pflegt und u.a. die interessante Monatszeitschrift Karpatenblatt (www.karpatenblatt.svan.sk) herausgibt. Herrn Wagner ist es insbesondere zu verdanken, dass der Tag in Kezmarok so gut gelang.
Foto 18 (Bernd Ohnemüller) "Goralik" spielt auf

Im Haus der Begegnung kredenzten Vereinsmitglieder Kaffee und Kuchen und mischten sich auch zu individuellen Gesprächen unter die vhs-Gruppe, wofür man sich mit Gesang bedankte, der auch die KDV-Mitglieder mit einbezog. Bemerkenswert dabei, wie Lieder Brücken schlagen und Heimat bilden können, selbst mehr als 1000 km von Deutschland entfernt. Natürlich sang man auch das "Zipser Lied" aus vollem Herzen. (Melodie wie "Wahre Freundschaft")

"Wo von Bergen Wasser rauschen, wo die Tatra schaut ins Land, liegt der schönste Fleck auf Erden, liegt mein schönes Zipserland."


Foto 19 (Bernd Ohnemüller) Vojtech Wagner, bei seinem Vortrag über die Arbeit des KDV
Nach einem abschließenden Stadtbummel und der Steigerung des Bruttosozialproduktes in Kesmark/Kezmarok endete ein ereignisreicher Tag in langen Gesprächen, bei denen die Eindrücke verarbeitet wurden.

Natur und Kultur pur - auch auf der Rückreise
Die Rückfahrt zum Flughafen Wien geriet zunächst zu einem absoluten Höhepunkt: Die Tatra im Morgensonnenschein (Foto 20), weiß gezuckert der Krivan oder die Gerlsdorfer Spitze, Traumwetter.

Foto 20 (Bernd Ohnemüller) Die Hohe Tatra in der Morgensonne. In der Bildmitte -mit Kar- die Gerlsdorfer Spitze

   

Schwer fiel der Abschied, und mit diesen Bildern im Herzen ging es durch die Liptau, die Turz und das Waagtal auf die Rückreise, die noch einmal unterbrochen wurde durch einen Besuch im Wallfahrtsort Rajecko Lesna/Freiwald, im "slowakischen Bethlehem". Hier versetzte eine "Wunderkrippe" (Foto 21) die Besucher ins Staunen. Meister Pekara arbeitete 15 Jahre an seinem Werk, das den Stall von Bethlehem in die Slowakei versetzt.

Foto 21 (Bernd Ohnemüller) Rajecko Lesna/Freiwald, das "Slowakische Bethlehem"

Stadtbilder, Burgen, Bergwerke, historische Szenen, Festplätze, Wallfahrtsorte. Viele Sehenswürdigkeiten der Slowakei sind vertreten. Und alles bewegt sich -angetrieben durch Scheibenwischermotoren. Ein netter Rückblick auf interessante Reiseziele.

Würschtel zum Abschied
Fahrer Erich Schmutz, Wiener Kavalier von echtem Schrot und Korn, ludt letztmals zur "Würschtelparade" ein, ehe die letzten Kronen in einem modernen Großkaufhaus an der Peripherie von Bratislava ausgegeben wurden. Hier kann man an 7 Tagen in der Woche 24 Stunden lang seine Kaufwut auslassen. Wohl auch bald bei uns Realität. "Glückliche Heimreise" hieß es dann zum Geleit. Nach reibungslosem Flug erreichte die Reisegruppe fast ausgeruht und pünktlich wie geplant den Ausgangspunkt Rheinzabern. Neue Pläne wurden bereits geschmiedet. Insgesamt eine äußerst erlebnisreiche Fahrt mit vielen neuen Eindrücken, die dazu dienen, das Land besser zu beurteilen und künftig besser im Auge zu behalten. Es lohnte sich.