VOLKSHOCHSCHULE RHEINZABERN
IN DER KREISVOLKSHOCHSCHULE GERMERSHEIM

Gemeinde Rheinzabern, Rathaus, Hauptstraße 33, 76764 Rheinzabern
Tel.: 0 72 72 - 10 98 Fax: 0 72 72 - 7 73 09 E-Mail: og-rheinzabern@t-online.de _____________________________________________________________________________________

Paris- Versailles - Chartres - Fontainebleau

Studienfahrt der vhs-Rheinzabern vom 7.10. - 12.10.2006

Ein Bericht von Gerhard Beil

 

Herrliches Herbstwetter ließ die jüngste Studienfahrt der vhs-Rheinzabern zum kulturellen Hochgenuss werden. Im Mittelpunkt stand die Hauptstadt Frankreichs, Paris, doch wurde auch das "Vorfeld" der Seinemetropole erkundet. Viele Sehenswürdigkeiten hatten ein ***-Prädikat, einige gar zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Dank eines großzügigen Zeitplanes konnte ein repräsentativer Einblick in Geschichte, Kunst, Kultur und Mentalität unseres Nachbarlandes gewonnen werden. Zusammengestellt und geleitet wurde die Fahrt von vhs-Leiter Gerhard Beil. Hugo Wunsch hatte sich bereit erklärt, die Reiseführung zu übernehmen. Mit seinem umfangreichen Insiderwissen gelang es ihm immer wieder, den einzigartigen Zauber der Weltstadt Paris herauszustellen.

Reims - Königskrönung und Kapitulation
Zwischen Rhein und Seine liegen blutgetränkte Regionen. Die Pfalz, Lothringen und die Champagne waren jahrhundertelang Aufmarschgebiet gegen den jeweiligen "Erbfeind". Denkmale überall -und unterwegs ausgiebig Zeit, um von dem Lothringer Robert Schumann zu erfahren, einem "Vater Europas" mit besonderem Bezug zur Pfalz. Interessant auch Stichworte wie "von der Maas bis an die Memel", Verdun, Maginotlinie oder Gau Westmark unter Gauleiter Josef Bürckel. An Reims kommt man natürlich nicht vorbei. Doch geht es diesmal nicht um das edle Getränk der Champagne, sondern um Geschichte pur. War die weltberühmte gotische Kathedrale jahrhundertelang Krönungskirche der französischen Könige, so geht von ihr, die im I. WK beschossen wurde, auch eine Friedensbotschaft aus. Hier trafen sich im Juli 1962 Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, um die deutsch-französische Freundschaft zu besiegeln.
In Reims war aber auch 1944 das alliierte Oberkommando unter General Eisenhower, dem späteren US-Präsidenten. Am 7. Mai 1945 kapitulierte hier die deutsche Wehrmacht gegenüber den Westalliierten. Der schlichte "Salle de la Reddition" (Kapitulationssaal) liegt in einem Gymnasium, Vergangenheit und Zukunft also dicht beieinander. Die große Generalstabskarte an der Wand zeigt auch den Bienwald und Rheinzabern, mehr aber noch die Frontlinie am Tag der bedingungslosen Kapitulation. Erinnerungen kommen bei manchen Reisegästen auf, die 1945 noch ein Kind waren. Heute bummelt man unbeschwert durch eine nette Stadt und genießt "Café au lait", "Mirabelle" oder "Macarons".

Bild 1 (Beil) Museum der Kapitulation am 7.5.1945

 

Erste Eindrücke von Paris
Paris ist eine Stadt im permanenten Umbruch. Man sieht es auf den ersten Blick an der Peripherie, wo ganze Viertel umgestaltet werden. Dennoch bleibt die Stadt unverwechselbar. In Bercy etwa ein Nebeneinander von altindustriellen und neuen Bauten. Da ist die neue Nationalbibliothek in Tolbiac, einer der Prestigebauten von Präsident Mitterand. "Seine" Opera am Place de la Bastille gilt als größtes Opernhaus der Welt. Wo einst das Sinnbild des Absolutismus stand, das Stadtgefängnis Bastille, hält uns gleich eine "rosa Demonstration" auf. Hier herrscht Demonstrationsfreiheit, von der regelmäßig Gebrauch gemacht wird. Im Schritttempo geht es dann durch die pulsierende Rue de Rivoli über die Champs Élysées und Boulevards zum Montmartre. Verkehrsstau lässt ein Aussteigen nicht anraten, Unmengen von Menschen sind unterwegs, so dass man das Einchecken im Hotel vorzieht und Kräfte sammeln will für den folgenden Tag.

Höhepunkte en masse
Auch am Sonntagmorgen ist es nicht so einfach, Paris zu durchqueren. Erstes Highlight ist der Place de Vosges, er gilt als schönster Platz von Paris und beliebte Filmkulisse. Nicht zuletzt Romy Schneider und Jaqueline Kennedy schwärmten von dieser Idylle, wo einst auch Victor Hugo lebte. Dies lässt Obdachlose unter den Arkaden kalt. Für sie ist allenfalls Abbé Pierre ein Begriff, der "Lumpensammler" von Paris, der ein großes Hilfswerk betreibt und direkten Zugang zum Präsidenten hat. Dann sind da der Louvre, das Palais Royal, der Place de la Concorde mit dem Obelisken und seiner bewegten Geschichte, die Nationalversammlung und die Kirche Sainte Marie Madeleine im Stil eines griechischen Tempels. Sie sollte ursprünglich Ruhmestempel für Napoleons Grand Armee werden, die gerade 1806 bei Jena und Auerstedt die Preußen besiegt hatte. Der große Korse verstand sich als Nachfolger der römischen Kaiser und pflegte die Symbolik der Antike (Triumphbogen, Tempel, Consul, Imperator=Empereur, Diktator...). Imposant das Hôtel des Invalides mit dem Ehrenhof der Armee, wo Napoleon I. seine Paraden und Appelle abhielt. Im benachbarten Invalidendom fand er 1840 seine letzte Ruhe, nachdem er 1821 im Exil auf Sankt Helena gestorben war. Undenkbar, wenn das Gerücht stimmte, dass aus Versehen sein Gärtner hier bestattet sein soll. Mehr aber noch als der große Bonaparte gestaltete Napoleon III. die Seinemetropole um. Ihm verdanken wir u.a. die Opera Garnier, die großen Boulevards und die leistungsfähige Kanalisation, die sein Baumeister, Baron Hausmann, anlegen ließ.
In den Tuileriengärten zu bummeln und weltstädtischen Geist zu spüren, ist ein Vergnügen. Der Blick erfasst die Sichtachse vom Louvre über den Obelisken zum Triumphbogen und darüber hinaus zum Grand Arche im Westen der Stadt.
Die weite Welt scheint sich auch auf dem größten Flohmarkt der Erde versammelt zu haben, am Porte de Clignancourt, wo man Menschen, Sprachen und Gerüche aus allen Kontinenten vernehmen kann. Eine wahre Fundgrube vom Nippes bis zur wertvollen Antiquität. Für manchen aus der Reisegruppe eine fremde Welt, die verunsichert. Hier noch Ordnung zu halten scheint ein großes Probleme, nicht nur beim Regeln des Verkehrs.



Bild 2 (Beil) Place des Vosges

Bild 3 (Beil) Vor dem Invalidendom

Bild 4 (Beil) Auf dem Flohmarkt

 

Zum "Berg der Pariser Berge"
Dann der Berg der Pariser Berge, der Montmartre mit herrlichem Panorama. Ältestes Gotteshaus hier im Norden von Paris ist die unscheinbare 800 Jahre alte Kirche Saint-Pierre-de-Monmartre, einziger Überrest einer alten Benediktinerinnenabtei, deren letzte Äbtissin 1794 hingerichtet wurde. Mehrere Säulen in Sankt Peter stammen noch aus der Zeit des römischen Lutetia.
"Star" des Montmartre ist die weiße Kirche Sacré Coeur, eines der beliebtesten Pariser Postkartenmotive. Durch eine Gasse sieht man den Berg von Menschen völlig belagert, doch spielt dort keine Szene aus der Bergpredigt, sondern es ist Weinfest. Liefert auch der kleinste Weinberg Frankreichs am Montmartre nur wenige Liter, so spenden Winzer aus dem ganzen Land für die alljährliche Wohltätigkeitsveranstaltung. Angesichts fröhlicher Stimmung und herrlich blauem Himmel kommt fast Euphorie auf, weswegen man den Montmartre zu Fuß erklimmt und auf die Bahn verzichtet. Viel Jugend ist zu sehen - auf dem Place du Tertre oder beim Feiern in Nähe einer temperamentvollen Brassband, aber auch beim Beten in Sacré Coeur, wo seit 1919 ununterbrochen das Allerheiligste ausgesetzt ist. Das Herz Jesu sollte Frankreich nach der Niederlage 1871 retten und wieder zu alter Größe führen, weswegen eine Kirche in Auftrag gegeben wurde. Als sie im Jahre 1914 fertiggestellt ist, steht der Ausbruch des I. Weltkriegs unmittelbar bevor. Er sollte Frankreich wiederum schwer heimsuchen, doch hält man sich jetzt durch Gott vor der Niederlage gerettet. Wer denkt noch daran angesichts einer unbeschreiblichen Aussicht über Paris?

Bild 5 (Ohnemüller) Kirche Sacré Ceour auf dem Montmartre


Nekropole für die Könige
Heute geht es in einen Vorort von Paris. Doch nicht wegen der modernen Kathedrale, dem Stade de France, wo die Equipe Tricolore unter Führung von Zinedine Zidane 1998 Fußballweltmeister wurde. Unser Weg führt zur Basilika von Saint Denis, einer der ehrwürdigsten Kirchen Frankreichs und Geburtsstätte der gotischen Kathedralen. Insbesondere an der Westfassade lässt sich der Übergang in der Architektur von der Romanik zur Gotik deutlich erkennen. Der Legende nach soll im 3. Jh. der Märtyer Dionysius auf dem Montmartre enthauptet worden und mit dem Kopf in der Hand bis hierher gewandert sein, wo er sein Grab gefunden hat. Hier entstand ein Wallfahrtsort, an dem Abt Suger eine prächtige Kirche errichten ließ, die einen wahren Kathedralenbauboom auslöste, der sich über ganz Europa ausbreitete. Prächtige Gewölbe und leuchtende Fenster bilden den Rahmen, in dem 46 Könige, 32 Königinnen und 63 Prinzen und Prinzessinnen bestattet sind. Unter ihnen ist auch Elisabeth Charlotte, besser bekannt als Liselotte von der Pfalz. Ihr Schwager war Ludwig XIV, der "Sonnenkönig". An ihn erinnert nur noch ein bescheidener Namenszug auf einem Sammelgrab mit Resten geplünderter Gebeine. Schon 1715 hatte das Volk von Paris Steine auf den Sarg des "allermächtigsten Königs" geworfen, die Revolutionäre waren noch rabiater. Außer der Grablege für die französischen Könige wurden in Saint Denis auch das Lilienbanner und die Krönungsinsignien aufbewahrt. Ein Wunder, dass so vieles durch die Wirren der Revolution hindurch gerettet werden konnte. Napoleon I. und Ludwig XVIII. veranlassten später, dass die Nekropole der französischen Könige wieder in einen würdigen Zustand versetzt wurde.

Bild 6 (Beil) Grabdenkmal für Ludwig XVI. und Marie Antoinette

Herrliche Aussichten
Zurück ins moderne Paris, ins ehemalige Viertel der Boheme, Montparnasse, wo sich nach dem I. Weltkrieg viele Künstler niederließen. In den Cafés und Bars traf man Modigliani, Chagall, Stravinski, Cocteau, Prokofiev, Hemingway, Henry Miller, Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, Kandinsky, Picasso u.a.m. Vom 59. Stockwerk des Tour Montparnasse, dem höchsten Gebäudes Frankreichs, gilt es aus 209 m Höhe eine einmalig herrliche Aussicht zu genießen: Eiffelturm, Pont Alexandre, Invalidendom, Notre Dame, Saint Chapelle, Louvre -alle Sehenswürdigkeiten zum Greifen nahe. Und am Abend genießt man das illuminierte Paris. Zunächst während einer Schiffstour auf der Seine, danach geht es mit dem Bus kurz auf Lady Dianas Spuren und dann zum Triumphbogen, dem Arc de Triomphe, wo jeden Abend die ewige Flamme für den Unbekannten Soldaten entzündet wird. Ein besonders symbolträchtiger Ort für die wechselvolle Geschichte Frankreichs und Europas in den letzten 200 Jahren, in denen die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich lange Zeit äußerst problemreich waren. Ein Gottesgeschenk, dass zwischen beiden Nationen seit mehr als 60 Jahren - zwei Generationen schon! - Friede herrscht.

Bild 7 (Beil) Blick vom Tour Montparnasse
auf Eiffelturm und Invalidendom

Chartres - Hauptstadt des Lichts
Heute geht es ins magische Chartres, das sich mit Recht "Hauptstadt des Lichts" nennt. Inmitten einer fruchtbaren Landschaft erhebt sich majestätisch die Kathedrale Notre-Dame, "Frankreichs Akropolis". Nach mehreren Bränden erstand sie immer wieder noch prächtiger. Sie gilt als Musterbeispiel der Hochgotik, ein Gesamtkunstwerk, an dem Baumeister, Steinmetze, Maurer, Zimmerleute, Glasmacher, Bildhauer und Maler mitwirkten. Das Tympanon über der Hauptpforte, die Seitenportale und Türme, die vielen Fenster in ihren bezaubernden Blautönen, biblischer Unterricht im Bild, und da ist die prunkvolle Rosette über dem Hauptportal, Symbol der Vollkommenheit Mariens, Notre-Dame. Dieses Rundfenster hat über 12 m Durchmesser und erblüht besonders beim Sonnenuntergang in glühenden Farben. Dann wird uns sein Motiv überdeutlich: Das Weltgericht, dem wir alle nicht entkommen. Auf dem Boden das rätselhafte Labyrinth - ganz wie das Leben. Pfeiler, Spitzbogen, Kreuzrippengewölbe und Verstrebungen stehen in wunderbarer Harmonie. Alles hat nur ein Ziel: Näher hin zu Gott, immer höher hinauf. Das Aufbrechen der Mauern, ihre Auflösung zu Pfeilern und spitzen Fensterbögen, macht es möglich - mehr als die romanische Bauweise mit ihren wuchtigen Mauern. Chartres, Mythos und Realität zugleich.
Doch die Stadt hat auch eine andere Geschichte. Hier war z.B. zu Beginn des Krieges ein Mann Präfekt, der zum Anführer der Resistance und engsten Mitarbeiter Charles de Gaulles werden sollte: Jean Moulin. Noch immer ist seine Gefangennahme durch die Gestapo nicht ganz aufgeklärt. Jean Moulin gilt als Lichtgestalt Frankreichs. Er starb an den Folgen seiner Folter. 1964 wurde er im Ruhmestempel Pantheon beigesetzt.

Bild 8 (Ohnemüller) Kathedrale von Chartres

Bild 9 (Ohnemüller) Staunend vor dem Tympanon in Chartres

Im Bauch von Paris
Welch Unterschied dann zum idyllischen Chartres. Fluchtartig verlassen wir nach einem Abstecher die postmoderne Glasarchitektur von La Defense, einem futuristischen Stadtteil im Westen von Paris, der seine Zukunft schon hinter sich hat. Der monumentale Grand Arche, marmoverkleidet und über 100 m hoch, bildet den Schlusspunkt der Ost-West-Achse. Wir kehren zurück in den "Bauch von Paris", wo einst "Les Halles", Großmarkt und Schlachthöfe, standen. Wir sind im Milieu von "Irma la Douce". Uns reizen jedoch weder das neuartige Kaufhaus noch ein typisches Bistro, sondern die herrliche Kirche Saint Eustache aus dem 16. Jh., an der viele Touristen achtlos vorbei gehen. Dabei gilt sie als zweitgrößte und zweitschönste Kirche der Stadt mit einigen Besonderheiten: Das Grabmal von Colbert, Finanzminister unter Ludwig XIV., oder der Altar, der den Auszug der Marktfrauen aus dem Hallenviertel darstellt. Alle Berufe vom Markt "Les Halles" hatten hier ihr geistiges Zentrum, u.a. die Fischhändler, Eierverkäufer, Getreideträger, Altkleiderhändler u.a.m. Für Moliere und Mozarts Mutter fand hier die Trauerfeier statt, die Pompadour wurde hier getauft. Hector Berlioz führte St. Eustache sein "Te Deum" auf, Liszt erlebte hier die Uraufführung seiner "Missa Solemnis-Graner Messe". Berühmt ist die gewaltige Orgel von Saint Eustache, einem Schutzpatron der Jäger, die zum Auftakt der alljährlichen Jagdsaison zu einer Sankt-Hubertus-Messe aufspielt. Unübersehbar aber auch der Hinweis auf die Suppenküche für Arme. Sie werden von Touristen gerne übersehen.
Ganz können wir uns der Moderne nicht entziehen, denn das berühmte Centre Pompidou ist eine Kultur-Attraktion par excellance. Es ist gerade gesperrt, weil der Modezar Benneton 40-jähriges Firmenjubiläum feiert. Paparazzi und Schickimicki stehlen den Feuerschluckern und Gauklern die Show. Auch der Stravinski-Brunnen mit seinen Metallskulpturen von Jean Tinguely und die bunten Figuren von Niki de Saint Phalle können aber nicht davon ablenken, dass allmählich die Kräfte schwinden und man sich nach dem Bus sehnt. Es folgt die alltägliche spannende Kunstfahrt über Avenues, Boulevards, Rues und die Peripherique. "Im Chaos liegt die Ordnung", heißt ein Buchtitel. Er scheint zumindest für den Pariser Stadtverkehr zuzutreffen.

Bild 10 (Beil) Blick auf Saint Eustache im ehemaligen
Viertel "Les Halles"

Bild 11 (Beil) Stravinskibrunnen mit Motiven von Jean Tinguely
und Niki de Saint Phalle am Centre Pompidou

Das "Schloss der Schlösser"
Chateau Versailles ist einzigartig, gilt als schönstes Schloss der Welt. Alles ist darauf ausgerichtet, die Macht Frankreichs zu präsentieren. Und dies hieß zunächst Ludwig XIV., der von sich sagte: "L'etat, c'est moi! - Der Staat bin ich!" Ludwig war es im unruhigen Paris zu eng, zu gefährlich, die armen Massen waren zu nah. In Versailles konnte man Distanz halten und eine eigene Welt leben, "wie Gott in Frankreich". Das Bauwerk, der Park, die Wasserspiele, die Kunst - alles zur Verherrlichung des Königs, des absoluten Herrschers. Zentrale Wegeachsen laufen auf sein Zimmer zu. Wie eine Sonne schenkt er Leben und Licht. Wer etwas auf sich hält, kommt an den Hof, um Abglanz zu erheischen, zieht lieber ins Mansardenzimmer als im Provinzschloss zu residieren. In ganz Europa ahmt man den Absolutismus nach - en miniature, versteht sich. Musterbeispiele sind die Schlossanlagen Schwetzingen, Favorite, Rastatt, Bruchsal, Würzburg, Ludwigsburg, Sanssoucis, oder etwa Zweibrücken. Man spricht am Hofe Französisch, Deutsch ist die Sprache des gemeinen Volkes. Man will Versailles nicht nachstehen: Theater, Musik, Feste, Ball, Menuett, Ballett, Lampions, Parfum...sind bekannte Wörter aus dem Französischen. Wir Pfälzer kennen seit Ludwigs XIV. Eroberungskriegen auch Kotelett, Bifteck, "Schossee", "Troddewa", "dusmaa". Müsste man heute für Versailles zahlen, so fiele die unvorstellbare Summe von 25 - 30 Mrd. Euro an. Ludwig XIV., der Erbauer, verbrachte selbst nur wenige Monate in seinem Prachtschloss. Ihm folgte Ludwig XV. nach, bekannt wegen der Pompadour. Letzter absolutistischer Herrscher in Versailles war Ludwig XVI., verheiratet mit Marie Antoinette. 1789 wurde das Königspaar vom "Volk" nach Paris geholt und später geköpft wurden, 1792 die Möbel versteigert. Schloss Versailles erlebte einen Dornröschenschlaf, ihm drohte zeitweilig sogar der Abriss, ehe der prunkvolle Spiegelsaal 1871 und 1919 zum symbolträchtigen Ort der dt.-frz. Geschichte wurde -mit fatalen Folgen.

Bild 12 (Beil) Vor dem Mittelbau von Schloss Versailles
Der berühmte Spiegelsaal im 1. OG wird renoviert


Bild 13 (Beil) Apollo-Brunnen mit dem Sonnenwagen
im Park von Versailles - Ludwig XIV. versinnbildlichend

Die Medaille mit dem "M "
Welch anderes Milieu in der Rue du Bac 140, in der Kapelle des Mutterhauses der Vinzentinerinnen. Louise de Marillac und Vinzenz von Paul initiierten hier 1633 die Gemeinschaft der "Töchter der christlichen Liebe, Dienerinnen der Armen". Der Ursprung der Caritas ist gelegt. Der jungen Schwester Katharina Labouré erscheint 1830 die Muttergottes. Seitdem kommen jährlich unzählige Menschen zum Beten. Katharina Labouré war bis zu ihrem Tod in einem Pariser Altenheim tätig. Ihre letzte Ruhestätte fand sie in der Kapelle Rue du Bac 140. Sie wurde 1947 heilig gesprochen. Auch Papst Johannes Paul II. besuchte 1980 ihre letzte Ruhesstätte. Die Medaille Miraculeuse mit dem "M" ist weltweites Gnadenzeichen und mit wunderbaren Heilungserfahrungen verbunden. Vinzenz von Pauls Herz ruht ebenfalls in der Mutterhauskapelle, und bereits 1737 wurde er in die Schar der Heiligen aufgenommen. Seine Ideen haben die Welt verändert.

Bild 14 (Beil) Hl. Katharina Labouré in der Rue du Bac 140

Im Herzen von Paris: Sainte Chapelle und Notre-Dame
Zwei außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten ziehen tägliche abertausende Besucher in ihren Bann: Sainte Chapelle
und Notre-Dame. König Ludwig der Heilige ließ im 13. Jh. im Herzen von Paris, auf der Île de la Cité, die Sainte Chapelle errichten, um verschiedene Reliquien aufzunehmen. Die Kapelle ist ein einziger Reliquienschrein aus Stein und Glas -ein Meisterwerk der Spätgotik mit unübertreffbaren Glasfenstern, die Szenen aus dem Alten und Neuen Testament darstellen. Unbeschreibliche Summen hatte Ludwig für den Erwerb der Reliquien ausgegeben, und nur der König von Frankreich hatte den Schlüssel zum Zugang.
Und dann kommt "sie", die berühmteste Kirche von Frankreich mit majestätischer Silhuette, steinerne Zeugin der Pariser Geschichte, ein architektonisches Meisterwerk. Point Zero für französische Landkarten ist hier: Notre-Dame. Portale, Türme, die Königsgalerie, die Rose... man muss einfach dagewesen sein. Viele kommen nur wegen der Geschichte vom Glöckner und seiner verehrten Esmeralda. Victor Hugo hat sie geschrieben. Hauptsache die Menschen kommen und sind in Notre-Dame Gott und dem Himmel ein bisschen näher. Vielleicht hören sie auch die berühmte Cavaillé-Coll-Orgel mit über 8500 Pfeifen und 110 Registern, die zu den klangewaltigsten Orgeln überhaupt zählt. Auf ihr spielte unser Freund Dominique Proust, Organist und Astrophysiker, der in Rheinzabern eine Benefizkonzert für Sankt Michael gab.

Foto 15 (Ohnemüller) Farbenprächtige Fenster
in der Saint Chapelle

Foto 16 (Ohnemüller) Kathedrale Notre-Dame de Paris

Wo Napoleon Abschied nahm
Paris adieu. Doch auch auf der Heimreise gilt es, noch markante Punkte aufzusuchen. Etwa 60 km südlich von Paris liegt Schloss Fontainebleau. Acht Jahrhunderte lang war es Residenz der frz. Könige. Dank einer glücklichen Fügung sind viele Möbel noch original erhalten, so dass sich eine Besichtigung lohnt. Berühmt ist jene Szene im April 1814, als Napoleon I. die gewundene Treppe herunterschreitet, um sich von seiner Garde zu verabschieden und ins Exil nach Elba zu gehen. Erst nach den berühmten 100 Tagen und der Schlacht bei Waterloo folgte seine Verbannung auf die Insel Sankt Helena im Atlantik, wo er 1821 starb.

Foto 17 (Beil) Abschiedshof im Schloss Fontainebleau

Bei der Windmühle von Valmy
Im Bus ertönt "Wo 's Dörflein traut..." und "Kein schöner Land..." Heimweh oder Zufriedenheit? Friede ist nicht selbstverständlich, auch nicht Freiheit und Demokratie. Ein Grund, auf dem Rückweg das kleine Dörfchen Valmy anzusteuern. Bei der Windmühle von Valmy, mitten in der herb-schönen Hügellandschaft der Champagne, kam es am 20.9.1792 zu einer Schlacht zwischen dem Revolutionsheer unter Befehl des elsässischen Generals Kellermann und den Söldnerheeren der Adeligen aus Preußen, Österreich oder Bayern. Ihr Ausgang hatte großen Einfluss auf den Fortgang der Französischen Revolution. Gedanken an die Schlacht auf dem Schweinheimer Feld 1793 kommen auf. In Begleitung des Herzogs von Weimar befand sich Johann Wolfgang von Goethe. Ungezählte deutsche Abiturienten haben sich schon über sein Zitat den Kopf zerbrechen müssen: "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr sei dabei gewesen..." Goethe sollte recht haben.

Foto 18 (Beil) Die berühmteste Windmühle Frankreichs in Valmy


Verdun - Douaumont

Und es folgt noch ein Halt. Schließlich darf man auch 90 Jahre nach dem Höhepunkt der Kämpfe nicht an jenem Ort vorbei fahren, der wohl als berühmteste Schlachtort des I. Weltkrieges gilt: Verdun an der Maas. Blutgetränkte Erde, von Granatsplittern durchpflügter Boden überall. Friedlich ruhen sie nebeneinander, egal ob Muslim, Jude oder Christ. Wie ein mahnender Zeigefinger der Turm des Beinhauses von Douaumont, der einer Granate nachempfunden ist. In seinem Gewölbe liegen die Gebeine von über 130 000 namenlosen Soldaten. Es musste noch ein schlimmerer Krieg kommen, ehe aus den Ruinen Europa erwuchs. Erinnerungen an jenen symbolträchtigen Händedruck zwischen Francois Mitterand und Helmut Kohl kommen auf. Wer hier war, weiß solche Gesten besser zu verstehen.

Bild 19 (Beil) Das Beinhaus von Douaumont -
Wie ein mahnender Zeigefinger ragt es gen Himmel

Resümee
Was bleibt? Auch die jüngste Studienfahrt der vhs-Rheinzabern ist wieder ein Erfolg geworden. Eine Fahrt, die erneut zeigte, dass das Gemeinsame der europäischen Geschichte überwiegt. Doch muss es immer wieder neu entdeckt werden. Eine dauerhafte Aufgabe.
Gilt der besondere Dank Hugo Wunsch, so darf aber auch nicht Chauffeur Gerold Müller -Firma Fichtenkamm- vergessen werden, der als verantwortungsvoller, vorausschauender und höflicher Fahrer zum Gelingen der Studienreise sehr viel beitrug. Gedankt sei auch Bernd Ohnemüller, der viele Fotos von der Studienfahrt unter www.tabernae.de ins Internet eingestellt hat. So wurde die Studienfahrt nach Paris mehr als eine Sightseeing-Tour.