VOLKSHOCHSCHULE RHEINZABERN
IN DER KREISVOLKSHOCHSCHULE GERMERSHEIM

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Lothringen und Champagne

Geschichtsträchtige europäische Regionen an Mosel, Maas und Marne

Ein Bericht von Gerhard Beil
Fotos: Bernd Ohnemüller

 

Ein geschichtsträchtiger Raum
Anlässlich der 90. Wiederkehr des Kriegsausbruchs im Jahre 1914 führte die diesjährige Herbst-Studienfahrt der Volkshochschule Rheinzabern in einen besonders geschichtsträchtigen europäischen Raum: Lothringen und Champagne, das Land an Mosel, Maas und Marne, wo sich immer wieder verschiedene Kulturen begegneten und bereicherten. Hier entstanden Kunstwerke von Weltrang, jahrhundertelang war diese Gegend aber auch Aufmarschgebiet im Konfliktfeld zwischen Frankreich und seinem östlichen Nachbarn. Friedhöfe und blutgetränkte Erde gibt es hier überall. Drei Kriege vor nicht all zu langer Zeit: 1870/71, 1914/18, 1939/45 haben Spuren hinterlassen -aber auch Mahnung.


Nicht zuletzt ist der Raum auch eine Wiege des europäischen Gedankens -personifiziert durch den Christen und Europäer Robert Schuman und durch den Soldaten und Staatsmann Charles de Gaulle.
Sensibilisiert durch einen Vortrag über die Geschichte und die Geographie des Reisegebietes begaben sich rund 30 Reiseteilnehmer auf Fahrt, geführt von einem Mann mit sehr symbolträchtigem Namen und großer Herkunft: Monsieur Clemenceau, Nachfahre des berühmten frz. Ministerpräsidenten anfangs des 20. Jahrhunderts.

Moselmetropole Metz
Metz an der Mosel, die lothringische Metropole, war erste Reisestation. Natürlich war man auf die berühmte gotische Kathedrale Sankt Etienne gespannt, die "Laterne Gottes" genannt. Metz, ist geprägt durch seine ehemalige Festung, hat mehrfach den Besitzer gewechselt, war strategischer Punkt für Frankreich und Deutschland. Übrigens: erst als die dt./frz. Grenze nach 1870 in die Nähe von Metz rückte, verloren die Festungen Landau und Germersheim ihren Auftrag, rückte die Pfalz ab von der Rolle des Aufmarschgebietes. Metz hat heute einen gewaltigen Strukturwandel zu bewältigen, weg von den Altindustrien auf der Basis von Kohle und Stahl und hin zur Technologieregion mit grenzüberschreitenden Kontakten im Raum Saar-Lor-Lux. All dies wäre nicht möglich geworden, wäre man Grenzland geblieben. Stattdessen profitiert Lothringen heute von den Ideen eines großen Europäers, dessen Wohnhaus man in Scy-Chazelles bei Metz besuchte: Robert Schuman, "Lothringer, Europäer, Christ", wie der Untertitel eines Buches heißt.
Über das Dorf Gravelotte, jungen Deutschen im Kaiserreich noch bekannt als siegreicher Schlachtort von 1870, ging es weiter nach Nancy.

 

Letzte Ruhestätte von Robert Schumann

 

"Perle Lothringens"
In "Perle Lothringens" sollte für zwei Tage Quartier genommen werden. Die Stadt ist geprägt durch die Kunst und besonders durch den berühmten Place Stanislas (UNESCO-Weltkulturerbe), benannt nach dem entthronten ehem. poln. König Stanislaus Leszczynski, Schwiegervater Ludwigs XIV. Nancy gilt auch als die Wiege des Jugendstils. Dem Stadtrundgang wurde als Bonbon ein kleines Orgelkonzert aufgesetzt, ehe man am Nachmittag die alte Bischofsstadt Toul aufsuchte, die wie die Bistümer Metz und Verdun einst besonders umkämpft war.

 

Eines der wunderschönen Tore am Place Stanislas in Nancy


Mehr als Mirabelle
Höhepunkt in Toul die ehem. Kathedrale St. Etienne. Toul ist Mittelpunkt einer Agrarlandschaft, in der besonders die Mirabelle kultiviert wird, deren Genuss kulminiert im Mirabellenschnaps. Selbstredend, dass man auch eine Destillerie in besuchte. Zuvor aber ließ man sich auf dem Signal de Vaudement bei Sion beeindrucken, dem "heiligen Berg" der Lothringer, der verbunden ist mit Maurice Barre, einem Dichter, der das Nationale sehr hoch hielt, ein Geist, der nicht zuletzt auch beim Widerstand vor Verdun wirken sollte.

Heilige Johanna und Lothringer Kreuz
Von überwältigender nationaler Bedeutung für die Geschichte Frankreichs ist die Hl. Johanna von Orleans, deren Geburtshaus in Domremy-la-Pucelle im Tal der Maas angesteuert wurde. Ohne den Kult um Jeanne d'Arc, wie Johanna im Französischen heißt, kann man die Geschichte unseres Nachbarlandes nur schwer verstehen. Ebenso wenig trifft dies zu, wenn man die Symbolik des Lothringerkreuzes nicht kennt, das während des letzten Krieges zum Zeichen des Freien Frankreichs wurde. Dies geht insbesondere auf General Charles de Gaulle zurück. De Gaulles Wohnhaus und Grab im Schatten des überdimensionalen Lothringerkreuzes von Colombey-les-deux-Eglises am Rande von Champagne und Lothringen sind noch heute viel besuchte Ziele in unserem Nachbarland.

 

Lothringer Kreuz an de Gaulles letzter Ruhestätte in Colombey-les-deux-Eglises

Fachwerk, Fachwerk
Troyes an der Seine, eine der berühmten mittelalterlichen Handels- und Messestädte in der Champagne, beeindruckte durch sein restauriertes Fachwerkensemble in vielen malerischen Gassen. Manche schwärmen gar von der Poesie der Holzwerkbauten. Und Troyes einstige Bedeutung mag man daran messen, dass die Stadt vor der Französischen Revolution 120 Kirchtürme hatte. Heute sind es noch deren neun.

Eine besondere Stadt
Reims, die Hauptstadt der Champagne, sollte dann zweiter Quartierstandort sein. Natürlich stand im Mittelpunkt die weltberühmte gothische Kathedrale Notre Dame (UNESCO-Weltkulturerbe) mit ihrem berühmten Tympanon und der wunderbaren Rose. Hier in Reims ließ sich an Weihnachten des Jahres 496 der Merowingerkönig Chlodwig vom Heiligen Remy taufen. Reims ist die Krönungsstadt der meisten frz. Könige, Reims ist einzigartig für Frankreichs Geschichte. Hier war auch die deutsche Kapitulation 1945 gegenüber den Alliierten. Nur zufällig oder bewusst am symbolträchtigen Ort? Sicher floss damals auch der berühmte prickelnde Saft, der die Region so berühmt macht -der Champagner.

 

Die berühmte Westfassade der Kathedrale von Reims

Nicht nur Champagner
Diesem edlen Getränk widmete man sich ausgiebig mit Besuchen bei der Weltfirma Mercier in Epernay und in einer mehr mittelständischen Kellerei sowie bei einem landestypischen Abendessen.
Ein Wermutstropfen fällt aber immer wieder in jede champagnerfreudige Stimmung, steht man am Denkmal von Mondement-Montgivroux, an einem Aussichtspunkt oberhalb der berühmten Sümpfe von St. Gondo, wo im August/September 1914 die berühmte Schlacht tobte, die als "Wunder an der Marne" in die Geschichtsbücher einging.

 

Auch das gehört dazu: Champagnergenießer

Mythos Verdun
Höhepunkt des letzten Tages sollte der Mythos Verdun werden, ein Name, der für die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts steht, den I. Weltkrieg. Wer weiß, dass an der Karpaten- und auch an der Isonzofront mehr Soldaten ihr Leben verloren? Mythos Verdun ist vor allem durch die Literatur zu dem geworden, was es ist. Das Erlebnis des Schützengrabens in "Stahlgewittern" schuf eine einzigartige Situation und prägte eine besondere Generation. Neben dem Beinhaus von Douaumont, auf dessen Friedhof in den 80-er Jahren Bundeskanzler Helmut Kohl und Staatspräsident Francois Mitterand "Versöhnung über den Gräbern" zelebrierten, besuchte man auch das Fort de Vaux, wo sich Schauerliches abspielte. Interessant dann der Kontrast zum "Verdun" -Schlachtfeld, als man auch die alte Bischofsstadt an der Maas besuchte, die eigentlich mehr ist als bloß der Name für einen Schlachtort: eine friedliche Stadt mitten in Europa.

 

Soldatenfriedhof Verdun/Douaumont - Versöhnung über den Gräbern

Bleibende Eindrücke
Mit diesen Eindrücken verließ man Lothringen und war sich einig, auf den Spuren europäischer Geschichte gewesen zu sein und dabei einen kleinen Beitrag zum Frieden und zur Völkerverständigung geleistet zu haben.