VOLKSHOCHSCHULE RHEINZABERN
IN DER KREISVOLKSHOCHSCHULE GERMERSHEIM

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Literarischer Abend voller Erfolg

Ein Bericht von Gerhard Beil

 

Unerwartet viele Besucher waren der Einladung der vhs ins Kleine Kulturzentrum Rheinzabern gefolgt und sollten nicht enttäuscht werden. Dafür sorgten die Autorin Lilo Beil und drei junge Damen mit Gesang, Klavier und Cello. Amelie Krüger, Mara Rinderlin und Sophie Tritschler stimmten auf einen wunderbaren Abend ein und schlugen geschickt die Brücke zwischen den Geschichten.

Lilo Beil, bekennende Kurpfälzerin, die aber ihr Herz in ihrer südpfälzischen Heimat verloren zu haben scheint, hat schon einiges geschrieben, was aus der Region entwachsen ist. Zu groß ist aber die Bandbreite ihrer Geschichten, als dass sie ein eine "Schublade Südpfalz" passt.
Am Anfang stehen zwei Geschichten aus ihrem Büchlein "Maikäfersommer". Mit "Herbstsehnsucht", vor allem mit einem kurzen Streifzug durch die Geheimnisse "Pälzer Grammatik" in der Geschichte "Die Sache mit den Pluralen" nähert sie sich geschickt dem Publikum.
Amelie Krügers "Kriminaltango" verheißt dann "knisternde Spannung", wie sie in Lilo Beils jüngstem Krimi zu erwarten ist. "Gottes Mühlen" stand zeitweilig auf der Bestsellerliste, was Deutschlands bekanntester Krimiautorin, Ingrid Noll, ein "die kann was!" entlockte. Der Titel "Gottes Mühlen" erinnert unwillkürlich an die vielen Mühlen entlang des Erlenbachs, der auch durch Rheinzabern führt, doch ist der Titel vor allem bildlich zu verstehen, nicht als Ort des Geschehens. Die Zeit: 50-er Jahre. Erna Kowalski, Flüchtlingsfrau aus Ostpreußen, macht beim Pilzesuchen einen schrecklichen Fund, eine Kindsleiche. Die Gerüchteküche in Pfaffenbronn, dem fiktiven Dorf nahe Bad Bergzabern, beginnt aufs heftigste zu kochen. Ob am Esstisch, am Stammtisch oder beim Tabakeinlesen, der dörfliche Friede, die heile Welt ist nicht mehr wie zuvor. Kommissar Gontard aus dem fernen Ludwigshafen wird dann die Sache klären, doch mehr wird von der Autorin nicht verraten. So viel nur: Eine Pfarrerstochter spielt bei der Aufklärung des Falls eine ganz wichtige Rolle.
Lilo Beils "Schattenzeitgeschichten" handeln von kleinen Helden im Alltag des 3. Reiches, von "...Intoleranz, Ignoranz, Feigheit und Versagen, aber auch von kleinen Gesten der Mitmenschlichkeit und von Humor und Liebe, von Lichtblicken, die eine Zeit der Schatten erhellten". In "Leas Reise gen Osten" schreibt sie über ein Mädchen, das nach Theresienstadt kommt. Zufällig hat Elisabeth Langgässers Tochter Cordelia ein ähnliches Schicksal erlitten. Nachdenklichkeit macht sich breit.



Dank eines geschickt gewählten musikalischen Übergangs lässt sich der Abend aber heiter beenden, als die Autorin nochmals den "Maikäfersommer" zitiert, indem sie "Betrachtungen über die Erotik des Straßenkehrens" anstellt. Mit dieser Geschichte erinnert sie an pubertäres Flirten und zu Gefallen gehen in den fernsehlosen Nachkriegsjahren, wozu Straßenkehren am Samstag, das Milchabliefern allabends oder (und da wäre es in einem katholisch geprägten Dorf noch besser gewesen) die sonntägliche Messe und diverse Prozessionen zählten. So manche Besucherin - Frauen überwiegen an diesem Abend - fühlt sich in ihre Jugend zurück versetzt und schmunzelt verschmitzt.
Alles in allem ein kurzweiliger Abend voller Esprit und Musik. Und wer nicht dabei war, hat wirklich etwas versäumt.
Die Fotos (Beil) zeigen die Autorin in Aktion sowie das "Trio" Amelie, Mara und Sophie