Das aktuelle Programm

Das aktuelle Herbst-Winter-Programm 2008 der VHS-Rheinzabern können Sie sich hier als Word-Dokument herunterladen. Die Anmeldung erfolgt dann telefonsich oder per E-Mail.
Gerne geben wir Ihnen auch telefonische Auskunft täglich von 8 bis 12 Uhr unter 07272-1098.
Onlineanmeldungen sind über das Programm der Kreisvolkshochschule möglich. Die Seite finden Sie unter www.Kreis-Germersheim.de.

 

Hier Auszüge aus der VHS-Rheinzabern

Oberitalien - Natur und Kultur einer interessanten Region

Studienfahrt der vhs-Rheinzabern vom 6.10. - 13.10.2007

Ein Bericht von Gerhard Beil

 

Schon die Namen der Städte klingen wie Musik, und was sie zu bieten haben, erstaunt immer wieder. Wenn dann künstlerische Superlative, herrlicher Sonnenschein und feinste Spezialitäten der Region zusammentreffen, dann muss ja eine Studienfahrt nach Oberitalien gelingen. Ausgiebig vorbereitet durch Reiseleiter Gerhard Beil, akkurat kutschiert durch Fahrer Gerold Müller, Firma Fichtenkamm, und kompetent geführt durch "Guida" Georg Duhr, Ex-Dozent an der Universität Pavia, kamen die über 30 Reiseteilnehmer voll auf ihre Kosten.


Bild 1 (Beil) Ohne gute Unterlage geht nichts

"Do de Dom!"
Mailand, die heimliche Hauptstadt Italiens und Metropole der Lombardei, pulsiert voller Leben bis in den späten Samstagabend. Die Familien der Sforza und Visconti haben überall Spuren hinterlassen. Castello Sforzesco, Leonardos Abendmahl neben Bramantes bestechender Kirche Santa Maria della Grazie, das weltberühmte Teatro alla Scala, die mondäne Galleria Vittore Emanuele II., wo sich selbst McDonalds der Umgebung anpasst, sind ein absolutes Muss. Denkmäler überall, nicht nur für Leonardo und Garibaldi. Dann plötzlich: "Do de Dom!". Ein Kunstwerk aus weißem Marmor. Gigantisch das Innere, wohin man nur nach einer Kontrolle gelangt: Terrorgefahr. Ein Walk übers Dach des majestätischen Domes hinterlässt einmalige Eindrücke. "Mensch, wie klein bist du eigentlich!", schießt es durch den Kopf. Grandezza überall. Unten auf dem Corso wimmelt es von Shoppingwütigen, viele bestimmt durch die jüngste Mailänder Modemesse motiviert. Skandalöse Aufnahmen eines magersüchtigen Models mögen das ihrige bewirkt haben. Milano bietet mehr als kunstgeschichtliche Kulisse, es ist eine Boomtown, und der Moloch Mailand frisst sich unablässig hinaus in die lombardische Ebene, raubt die Reisfelder samt den silbernen Reihern, bedroht jahrhundertealte Klöster wie Chiaravalle.

Bergamo die Schöne
Für alle Reiseteilnehmer ist Bergamo eine große Unbekannte. Unten prosperieren Handel und Industrie. Doch die Oberstadt, die Città alta, ist gespickt mit Kunstwerken und durchzogen von engen Gassen mit duftenden Bäckereien und einladenden Kneipen. Kelten, Römer, Langobarden, Venezianer hinterließen hier Spuren. Die Bergbahn bringt uns nach Sankt Vigilio, von wo ein herrlicher Ausblick auf die Altstadt in der Vorhügelzone der Bergamasker Alpen zu genießen ist. Vorbei an Santa Grata, wo Donizetti getauft wurde, lenkt der Weg die Blicke hinüber ins Zentrum. Santa Maria Maggiore mit der Colleoni-Kapelle beherrscht den Domplatz. Freskenpracht im Innern, die selbst stolze italienische Offiziersaspiranten in ihren theatralischen Uniformen beeindruckt. Meraviglioso!
Auf dem Weg zum "kleinen Imbiss" dann noch die außen unscheinbare Kirche von San Michele al pozzo bianco. Natürlich müssen die neugierigen Rheinzaberner "Michaelskinder" da hinein.


Bild 2 (Beil) Aufmerksame Zuhörer für den Guida Georg Duhr

Und welche Fresken erwarten sie hier! Auch der Maler Lorenzo Lotto wirkte hier. Dann endlich heißt es Vino, Polenta und Pasta. Molto bene.

Im Dorf von "Papa buono"
Es geht weiter durchs Bergamasker Land. Eine Musikkapelle schmettert schmissige Weisen, als wir in Sotto il Monte Giovanni XXIII. eintreffen. Es ist Kastanienfest im Geburtsort eines der beliebtesten Päpste, der sogar selig gesprochen wurde. Die Spuren von Johannes XXIII. (1881-1963) in Kirche und Geburtshaus zeigen, dass dieser Mann leutselig und bauernschlau, liebenswürdig und bodenständig, fest verwurzelt in seiner Heimat und seinem Glauben war. Dazu hat sicherlich auch sein pfiffiger Pate namens Zaverio beigetragen, der dem jungen Angelo Giuseppe Roncalli wohl manches Geheimnis des Lebens beigebracht haben dürfte und auf dem Stammbaum der Familie einen besonderen Platz einnimmt. Johannes XXIII. ("Papa buono - der gute Papst") setzte sich auch für die Verbesserung der Lage der Arbeiter ein. Noch Mitte des 20. Jh. ging es vielen schlecht. Nicht zu vergleichen aber mit der Lage des Proletariats zu Beginn der Industrialisierung.


Bild 3 (Beil) Vor dem Johannes XXIII. Denkmal im Elternhaus

Crespi d'Adda - ideale Arbeitersiedlung
Einen Gegenpol zur Verelendung setzte Ende des 19. Jh. die Industriellenfamilie Crespi mit einer Musterstadt für Arbeiter in Crespi d'Adda. Zurecht steht dieses Gesamtensemble einer "idealen Stadt" heute unter UNESCO-Weltkulturerbe. Die Unternehmerfamilie Crespi war zugleich sehr philantrophisch eingestellt und wollte Arbeit, Bildung, Freizeit und Gesundheit der Menschen harmonisch vereinen. Von der Wiege bis zur Bahre war alles durch den "Patrone" geregelt, der in seinem Schloss regierte. Stünde nicht die Fabrikanlage still, man glaubte, dass die Fabriksirene jeden Moment zur Arbeit ruft. "Industriearchitektur mit Zauberbergatmosphäre", meinte der Reiseführer angesichts der besonderen Atmosphäre in dem noch immer bewohnten Dorf. Crespi d'Adda steht zudem für einen Industriezweig, der im Zeitalter der industriellen Revolution eine Schlüsselstellung einnahm. Längst aber hat sich die Textilindustrie in Billigstlohnländern verabschiedet oder wurde von Billiplagiaten in den Ruin getrieben. Natürlich fährt man heute in Crespi d'Adda FIAT, simst mit dem Handy, schaut Televisione und kauft im Supermercato. Aber sonst scheint die Zeit still zu stehen.

Torrone , Torrazzo und Sigismondo
Durch die Reisfelder entlang des Po geht es heute in die Stadt, wo "der Himmel voller Geigen" hängt, nach Cremona, doch lässt unser "Guida" Stradivari Co. außer Acht. Cremona gilt als typischste Stadt der Poebene. Weit ins Land hinaus lugt der Torrazzo, mit 111m der höchste Campanile Italiens. Heuer ist er 900 Jahre alt. Die Torrone, eine Nougatsüßspeise, verlockt in allen Variationen.


Bild 4 (Beil) Renaissance in Überfülle in S. Sigismondo zu C
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Doch zunächst führt der Weg in eine besondere Kirche, die im Reiseführer nur spärlich erwähnt wird und sogar im Stadtplan falsch eingetragen ist, aber einem den Mund nicht mehr schließen lässt vor Staunen: Santo Sigismondo, eines der bedeutendsten Bauwerke der Lombardei.
Fresken, Orgel, Chorgestühl - der Atem stockt schier. Renaissance vom Feinsten. Eine Stiftung von Bianca Maria Visconti und Francesco Sforza. Dann geht es in die Innenstadt zu einem der schönsten Plätze Italiens, und wieder es heißt "Do de Dom!" Der Führer gerät schier in Verzückung ob der Überfülle von Kunst. Freskenzyklen von Cremoneser Künstlern und von Pordenone. Eimalig. Dann das Platzensemble mit Baptisterium und Rathaus. Die Worte fehlen allmählich, und der Hunger macht nervös.

Giuseppe Superstar
Ein Top-Mittagessen gibt neue Kraft für ihn, den Superstar der Musik, Giuseppe V. Über den Po steuern wir Richtung "Verdi-Land". Hier hat er viel Gutes getan. In Villanova d'Adda "sein" Bahnhof, in Santa Agata seine Sommervilla, das Verdi-Theater in Busseto, schließlich das Dorf Roncole Verdi mit seinem Geburtshaus. Giuseppe sei noch heute Dank für Ruhm und Mythos. Verdis Werk trägt wesentlich zur Staatsbildung Italiens während des Risorgimento bei: Musik, Oper, Kultur schaffen Zusammenhalt. Die Buchstaben von Verdi werden gar als Kürzel V.E.R.D.I. zu einem Kampfruf für die italienische Staatsbildung: Vittore Emmanuele Rei d'Italia - Viktor Emanuel König Italiens. Busseto gilt heute noch als kleine Kunsthaupstadt Italiens. Am kleinen, aber weltberühmten Teatro Verdi haben schon viele große Dirigenten und Regisseure gearbeitet. Das Casa Natale, das Geburtshaus Verdis in Roncole, wird gerade geschlossen, als man eintrifft. Vor Enttäuschung sehen viele nicht, dass es in diesem Ort auch Spuren von Giovanni Guareschi gibt, dem Vater von Don Camillo und Peppone, deren Geschichten hier in der Poebene spielen.


Bild 5 (Beil) Denkmal für Guiseppe Verdi vor seinem Theater

Pasta basta!
Entlang des Naviglio Pavese, einem Kanal, über den seit Jahrhunderten Waren und Baumaterial bis in den Kern von Mailand transportiert werden, geht es zur Kartause von Pavia. Schon die Fassade gilt vielleicht als das prunkvollste dekorative Denkmal Italiens, heißt es in einer Broschüre. Gian Galeazzo Visconti hat den Bau gleichzeitig mit dem Dombau zu Mailand in Auftrag gegeben! Sein prunkvolles Ehrengrab erinnert an seine Ruhmestaten. Einst für Kartäuser gegründet, wird die Certosa di Pavia heute von Zisterziensern betreut. Einzigartig die Ruhe, die Kunst, die Atmosphäre. Lichterfüllte Räume lassen ihre Farbenpracht erstrahlen: Kultura italiana? Si. Kultura christiana? Si. Aber auch Kultura europea! Die reinste Starparade der Heiligen. Es sollte ein Pantheon für die Visconti werden. Beeindruckend das 1499 von Cristoforo Solari geschaffene Grabmal für Ludovico Sforza ("il Moro") und Beatrice d'Este. Gleich neben der überschwänglichen Pracht findet man aber immer auch den "Antichrist", ein Teufelchen, das irgendwo versteckt, aber eben da ist. Genau wie im echten Leben. Ob der Terrakotta-Dekorationen im "kleinen" Kreuzgang meint man bei den Besuchern ein großes "Aaaaah!" zu hören. Blumen, Bogen, Türme, Säulen, Kapitelle - das Auge sieht sich schier nicht satt.


Bild 6 (Beil) Blick durch den kleinen Kreuzgang Kartause von.jpg
_ Noch mehrmals müsste man kommen, um alle Details zu erfassen. Gut nur, dass noch kein Trubel herrscht, denn den Frühen gehört der Tag. Eigentlich ist Italien viel zu schade, als dass man sich hier nur den Bauch grillen lässt und an Pasta denkt. "Pasta basta!", müsste es heißen, "schaut zuerst nach der Kunst!" Dann der große Kreuzgang mit den Kartausen, 23 kleine Häuschen/Zellen für Eremiten, wo sie abgeschieden leben, kaum sprechen, aber sich künstlerisch und handwerklich betätigen können. Denkt man an das bescheidene Leben der Mönche, dann ahnt man, woher der Name "Kartäuserklöße" kommt. Keinesfalls taugt solche Kost zum Bodybuilding, denn Schmalhans ist hier Küchenmeister. Angesichts der gigantischen Unterhaltungskosten für das Kunstwerk ist es selbstverständlich, dass man Pater Cyprian als "offerte" mindestens einen roten Schein gibt. Wahrlich, hier ist jeder Euro bestens angelegt.

Augustinus, Barbarossa und Benedetto
Dann kommt Pavia am Tessin, einstige Hauptstadt des Langobardenreiches inmitten goldgelber Reisfelder.


Bild 7 (Beil) Erntereifes Reisfeld in der Umgebung der Reish

Ein "Muss" für alle deutschen Könige, jedoch nicht wegen des berühmten Risotto. Wenn sie im Mittelalter zur Kaiserkrönung nach Rom zogen, wurden sie in der Kirche San Michele (Sankt Michael!) stets auch zum König von Italien gekrönt, indem man ihnen die eiserne Krone der Langobarden aufsetzte. So auch im Jahre 1155 mit Barbarossa geschehen. Keine andere italienische Stadt ist so eng mit dem mittelalterlichen Kaisertum verbunden. Bei Aufenthalten in Pavia wohnten die Kaiser im Kloster Ciel d'Oro (Goldener Himmel). In der benachbarten Kirche San Pietro in Ciel d'Oro ist einer der größten Denker Europas beigesetzt, Augustinus, dessen sterbliche Überreste einst vor den Sarazenen aus Cagliari gerettet wurden. Im Frühjahr 2007 war Papst Benedikt XVI. hier zu Besuch, wovon eine herrliche Votivkerze zeugt. "Benedetto" schrieb 1953 seine Doktorarbeit über die Lehre von Augustinus. Bilder aus der Vita von Aurelius Augustinus verdeutlichen dessen Werk, vor allem das "tolle, lege - nimm und lies!", die Aufforderung des Engels zur Bekehrung. Ehedem standen in Pavia über 100 Kirchen. 33 Geschlechtertürme von einst 200 zeugen noch heute von langen Rivalitäten in der Stadt. Wohl auch deshalb baute man das Castello Visconteo, dessen einstige Grandezza noch immer spürbar ist. Gegründet um 1360, zählt Pavia zu den ältesten Universitäten Europas. Im Zentrum ein Denkmal für Alessandro Volta. Ein Gang durch ehrwürdige Arkaden zeigt viel Jugend, die nach Bildung und Wahrheit strebt. Scheinbare akademische Idylle. Lange bevor 1348 die erste Universität im deutschen Sprachraum, Prag, gegründet wird, sucht man schon in Italien nach der Erkenntnis der Dinge. So gilt Bologna, gegr. 1088, als älteste Uni der Welt. Und auch Papst Benedikt XIV. wendet sich an die Studenten von Pavia, indem er den heiligen Augustinus als Beispiel für hartnäckiges Suchen nach der Wahrheit beschreibt.

Verkehrsstau statt Vittoriale
Er gilt als Dandy, Narziss, Virtuose der Selbstdarstellung. Seine Gedanken haben nicht zuletzt auch den Faschismus theoretisch untermauert. Die Rede ist von Gabriele d'Annunzio, dem bekannten italienischen Dichter, der die malerische Kulisse von Gardone Riviera für die Errichtung einer Villa mit Park nutzt und es Vittoriale degli Italiani nennt, Siegesdenkmal der Italiener. Sein Auftreten erinnert an Ludwig II. und Richard Wagner, die sich ja ebenfalls Märchenlandschaften schufen. "Dekadenter Schwanengesang zum fin de siecle, Seifenoper, theatralische Revue, Begierde der Sinnlichkeit, Angst vor Verfall, Nostalgie, Mann der großen Geste", fallen als Stichworte. D'Annunzio ist Vorbild für den "Duce" Benito Mussolini, der wiederum einen kleinen Mann voller Minderwertigkeitskomplexe, aber großem Zerstörungspotenzial, beeindruckt: A.H. Ganz in der Nähe von Gardone Riviera, in Saló, "regierte" Mussolini seit 1943 sein kleines "Schatten- und Marionettenreich" von Hitlers Gnaden. Heerscharen von Besuchern pilgern alljährlich zum "Kuriositätenkabinett" des Vittoriale, doch unsere Gruppe wird durch einen Verkehrsstau daran gehindert. Gesprächsstoff für viele Stunden wäre garantiert gewesen. Eine Sonnenfahrt über den Lago di Garda entschädigt reichlich für das Entgangene.


Bild 8 (Beil) Meditterane Stimmung in Gardone Riviera am Lag

Idylle mit blutgetränktem Boden
Sie war nicht immer so idyllisch, jene Urlaubsregion der Deutschen, das Land, wo die Zitronen blühen, wo Oliven, Orangen und Wein in Fülle gedeihen. Wahrlich, eine "bukolische" Landschaft, die Vergil als Vorbild für seine "Bucolica" diente, als er schon vor gut 2000 (!) Jahren die Vorzüge des Landlebens gegenüber dem "Großstadttrubel" pries. Doch hier in Oberitalien gab es manches Kampfgetümmel, entschied sich so manche Schlacht. Hier wurde Stoff geliefert für die teilweise martialische Nationalhymne Italiens. Im 19. Jh. sind es Auseinandersetzungen zwischen dem entstehenden Italien und dem sich zurückziehenden Habsburgerreich. Das österreichische Festungsviereck an Mincio und Etsch, Peschiera, Mantua, Verona und Legnano, ist blutgetränkt. Nicht zuletzt ist es das Schlachtfeld von Solferino, wo Henri Dunant den Entschluss zur Gründung des Roten Kreuzes fasst. In Castiglione delle Stiviere besucht man das Museum des Roten Kreuzes.


Bild 9 (Beil) Im Museum des Roten Kreutes in Castiglione del

Es waren die Frauen von Castiglione, die im Juni 1859 nach der blutigen Schlacht zupackten und die Verwundeten versorgten. "Alles Brüder", war ihre Losung. Henri Dunant schreibt:"...Die Frauen aus Castiglione folgten meinem Beispiel, als sie sahen, daß ich keinen Unterschied zwischen den Nationalitäten machte und haben allen Männern von verschiedenster Herkunft dieselbe Güte zukommen lassen, auch denen, die für sie völlig fremd waren". Wer denkt in diesem Moment daran, dass in Castiglione ein Vorbild für die Jugend aufwuchs, Aloysius von Gonzaga, der später heilig gesprochen wurde? Und wer weiß, dass das Rheinzaberner Schwesternhaus als "Aloysiushaus" gegründet wurde?

Kalt gepresst muss sein
Im "Olivenöl-Museum" Cisano bei Bardolino informiert man sich rund ums Olivenöl und deckt sich reichlich mit dem begehrten "Saft" ein. Die Olive ist eine jahrtausendealte Kulturpflanze im Mittelmeerraum, die Menschen und Handwerk ähnlich prägt wie die Rebe. Gut zu wissen, wo solch ein wichtiges Lebensmittel herkommt. Kalt gepresst ist es am wertvollsten. "Guida" Giorgio benutzt es gar als Wunderheilmittel gegen schmerzende Kniegelenke.

Kunstbesessene Gonzaga
Dann kommt die Stadt, wo man 2007 den 400. Geburtstag eines besonderen Kunstgenres feiert. Am 24.2.1607 wurde in Mantua Claudio Monteverdis Oper L'Orfeo uraufgeführt. Beste Sänger zog es seitdem nach Mantua, wo sich die Herrscherfamilie Gonzaga als großartige Kunstmäzene erwiesen. Auch Verdis Rigoletto ("La donna è mobile - Ach wie so trügerisch sind Frauen Herzen") spielt hier. Rigoletto war Hofnarr der Gonzaga. Der Opernwahnsinn brach aus, schrieb eine dt. Wochenzeitung, die Oper hat sogar manche (Klein-)Staatsfinanzen ruiniert. Fast 400 Jahre bestimmten die Gonzaga Mantuas Geschick, und schon von weitem sieht man eine sagenhafte Stadtsilhuette, aus der die Kuppel von St. Andrea, größte Kirche der Stadt, hervorlugt. Umgeben von mehreren Seen war die Stadt auch durch das mächtige Castello S. Giorgio geschützt. Mehr Schutz bot aber eine kluge Heiratspolitik. So ist es nicht verwunderlich, dass Mantua im Palazzo Ducale den größten Palastkomplex nach dem Vatikan seitzt. Und darin befinden sich sagenhafte Kunstwerke, die einem die Sprache verschlagen. Namen wie Tizian, Brunelleschi, Alberti, Mantegna u.v.a.m. drücken der Stadt ihren Kunststempel auf. Die Kunstbesessenheit der Gonzaga ist evident. Isabella d'Este, Gattin von Francesco II., brachte die größte Kunstsammlung ihrer Zeit zusammen, die aber später aus Geldmangel nach England verkauft wurde. Dem Palazzo Ducale nur wenig nach steht der nahe Dom. Besonders beeindruckend - dies aber wegen ihrer Schlichtheit - wirkt die romanische Rundkirche San Lorenzo, die Mathilde von Canossa Ende des 11. Jh. erbauen ließ. Mantua, eine wunderbare Stadt der Kunst, in deren Nähe Roms größter Poet, Vergil geboren wurde. Das Markttreiben innerhalb der historischen Altstadt - ein Genuss und Grund zur Wiederkehr. "Zu Mantua in Banden", das Andreas-Hofer-Lied, spielt keine Rolle in der Stadt, die 1809 französisch besetzt war. Hofers Denkmal ist versteckt, sein Mythos jedoch ist ungebrochen.


Bild 10 (Beil) Markt in Mantua

Die Este sind (fast) an allem schuld
Und dann die UNESCO-Stadt der Renaissance, einst an einem Arm des Po gelegen, voller Flair und proppenvoll mit Kunst - Ferrara. Die Stadt der Herzöge von Este, später, als diese nach Modena umziehen, eine päpstliche Stadt. Seitdem veränderte sich nur wenig. San Giorgio ist der Schutzpatron Ferraras, wo Palazzi in Hülle und Fülle errichtet wurden. Bedeutende Dichter wie Ariost, Petrarca und Tasso lebten hier, Künstler wie Cosmè Tura wirkten hier. An der Universität studierten Kopernikus, Savonarola und Paracelsus. Mittendrin das Kastell der Este, Bollwerk der herzoglichen Macht. In der Kathedrale San Giorgio betet man gerade das "Pater nostro". Es klingt so vertraut, verbietet aber eine Besichtigung. Haben andere Kirchen um die Mittagszeit geschlossen, so finden wir Santa Maria in Vado offen und können die Spuren des Hostienwunders von 1171 bestauen. Glaube kann wirklich Berge versetzen.


Bild 11 Beil) Bummel entlang des Domes von Ferrara

Am Nachmittag ahnen wir den Traum der Este von der Idealstadt der Renaissance. Der Palazzo dei Diamanti ist ein Haus von besonderem Flair, dessen kunstvoll behauene Quader wie Diamanten glänzen. Dann ein Rundgang durch den Palazzo Schifanoia, was zu Deutsch so viel wie Vertreibung der Langeweile bedeutet. Nein, hier kommt keine Langeweile auf, eher die Sorge über die zerrinnende Zeit. Jetzt kommt der Höhepunkt jedes Ferrara-Besuchs: Der prächtige Sala dei Mesi, wo Ferraras Malerschule nach einem Gesamtentwurf von Cosmè Tura zu Hochform auflief und wunderbare Fresken schuf. Herzog Borso ließ hier einen herrlichen Monatszyklus malen, der zugleich Szenen aus dem Leben Borsos zeigt. Der Anblick entlockt vielen nur ein "Wahnsinn!" und bleibt in steter Erinnerung. Dann heißt es "Arivederci bellissima Ferrara!", denn wenn es am schönsten ist, soll man gehen.


Bild 12 (Beil) Die Reisegruppe am Platz des Dichters Ariost

i-Tüpfelchen in Südtirol
Was folgt, wirkt dann wie das berühmte Tüpfelchen auf dem i. Auf dem Heimweg heißt es Halt in Brixen, einer Stadt zwischen Nord und Süd, wo man den Übergang geradezu sehen, hören, riechen, schmecken und greifen kann. Auch hier italienisch anmutendes Treiben in den Laubengassen, Kunstwerke an allen Ecken, nur etwas weniger prachtvoll, aber dennoch schön. Dazu ein Wetter, wie es nur Engel verdient haben, die auf Reisen gehen und sich tüchtig für das vhs-Programm interessieren.


Bild 13 (Beil) Letzter Halt in bella Italia in Brixen

Europa real
Was bleibt als Resümee? Wie wäre unser Europa so friedlich geblieben, hätte es nur einen Wettstreit in der Kunst gegeben. So aber erinnern uns Andreas Hofer, Garibaldi, Verdi, Kaiser Franz Josef, d'Annunzio oder Tolomei an das Schicksal Südtirols im europäischen Kontext: Napoleonische Kriege, Risorgimento, I. Weltkrieg, Faschismus, Nationalsozialismus, II. Weltkrieg, Degasperi, Adenauer, EWG und vieles mehr. Erst das Schaffen eines gemeinsamen Europa bedeutet für uns eine ungewohnt lange Zeit ohne Krieg. Die Römischen Verträge wurden 1957 geschlossen. Gerade sind es 50 Jahre her. Gut, sich auch daran zu erinnern. Dies ist die wichtigste Erkenntnis der Studienfahrt, bei der Kunst, Kultur und Kulinarisches ein harmonisches Miteinander bildeten und wo viel Neues entdeckt wurde, das zum besseren Verständnis der Völker, ihrer Kultur, ihrer Geschichte und ihrer Mentalität beiträgt.
Es bleiben wunderbare Erinnerungen und die Motivation für weitere Studienfahrten oder für eigene Unternehmungen. Im Gegensatz zur Zeit Goethes und Lord Byrons, als man Italien in höchsten Tönen verherrlichte, trennen uns nur Stunden von bella Italia, der Deutschen "Traumland" Nr. 1.
Schon jetzt aber freut man sich allenthalben auf die nächste Studienfahrt der vhs-Rheinzabern, die in den Norden von Polen, nach Masuren, Danzig und an die Ostsee führen soll.