VOLKSHOCHSCHULE RHEINZABERN
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Nussdorf und der Bauernkrieg
Besuch und Führung am 19. September 2009

Ein Bericht von Gerhard Beil

Wenn Rolf Übel Gäste durch seinen Heimatort Nussdorf führt, dann sprüht er geradezu von Begeisterung. Dies spürten auch die Teilnehmer der jüngsten Exkursion der vhs-Rheinzabern in das Landauer Stadtdorf. Nussdorf gilt vielen Zeitgenossen als Synonym für Bauernkrieg, aber dem muss der Historiker immer wieder entgegenwirken. Die Nußdorfer haben weder den Bauernkrieg "erfunden" noch stammt von ihnen die Bundschuhfahne. Und schon gar nicht sind sie besonders aufmüpfig. Rolf Übel führt zunächst durch ein wunderschönes Fachwerkhaus, das als Bauernkriegshaus eine kleine Ausstellung beherbergt. Zwei Ziele will man mit der Ausstellung verfolgen und die Bedeutung der Nußdorfer Ereignisse ins rechte Licht rücken: Einerseits gilt es dem übertreibenden Lokalpatriotismus die entsprechenden Fakten entgegen zu halten, andererseits arbeitet man daran, nicht übersehen zu werden, denn letztendlich war der Bauernkrieg in der Pfalz eher eine Marginalie des großen deutschen Bauernkriegs. Bäuerliche Protestbewegungen gab es europaweit bereits im Mittelalter. Nicht zuletzt ist die Unabhängigkeitsbewegung der Schweizer gegen die Habsburger als Sicherung bäuerlicher Rechte zu verstehen.

 
In der Bundschuhbewegung spielt Joß Fritz aus Untergrombach eine wichtige Rolle, der nicht nur im Hochstift Speyer Proteste anzettelte, im Bauernkrieg aber nicht mehr auftauchte. Begann der Bauernkrieg im Hegau und am Bodensee bereits 1524, so schwappte er erst 1525 auf die Pfalz über, wo am Kirchweihtag, dem 23.4.1525, sich ca. 200 Bauern sich versammelten, darunter wohl zahlreiche auswärtige Gäste (Anm.: Nußdorf hatte damals gerade 200 Einwohner). Sicher ist, dass auch später im "Nußdorfer Haufen" nicht nur Nußdorfer Männer waren. Als erstes Ziel suchte man den Geilweilerhof heim, der im Besitz des Klosters Eußerthal stand. Das eigentliche Kloster in Eußerthal wurde jedoch vom sog. Kolbenhaufen geplündert, was eindeutig aus der Schadensmeldung des Eußerthaler Abtes an den Grafen von Leiningen hervor geht. Da die Bauern auch von Bürgern der Städte Bergzabern, Annweiler und Neustadt unterstützt wurden, müsste es bessser heißen: Aufstand der Bürger und Bauern in der Pfalz und im Elsass, wo man die Ereignisse nicht von der Pfalz trennen konnte, denn die Herrschaften bestanden vielfach aus Streubesitz. Das Hochstift Speyer etwa, zu dem auch Rheinzabern gehörte, hatte Besitz bis weit ins Elsass hinein.


Historiker Rolf Übel beim erklären

Den Bauern ging es um alte Rechte, nicht um Revolutionäres. So beklagten sie etwa das Verbot des "Schleppenfangs", die Jagd auf Niederwild ("Schlepple"), monierten die Einschränkung des Holzschlagrechts in den Haingeraidewäldern oder die Vernachlässigung von öffentlichen Aufgaben, für die sie den Zehnt entrichten mussten. Solche verbrieften Rechte waren in den sogenannten Weistümern beschrieben.
Die schwere Niederlage der Bauern bei Pfeddersheim, wo sie einer Übermacht von Truppen des Kurfürsten von der Pfalz, des Kurfürsten von Trier sowie des Landgrafen von Hessen weichen mussten, verschärfte die Not der Bauern enorm, so dass die Zahl der Leibeigenen bis zu ihrem Höhepunkt vor der Französischen Revolution ständig anstieg.
Im Vergleich zu anderen deutschen Landstrichen ging der pfälzische Kurfürst mit den Bauern relativ moderat um ("Ich hau die Hand nicht ab, die mich ernährt!").

Am Bauernkriegsdenkmal

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Bauernkriegshaus steht die interessante Nußdorfer Kirche. Ein als Eckstein vermauerter Vielgötterstein weist auf römische Spuren Nußdorfs hin, es muss unter der Kirche eine Villa Rustica geben. Lohnend auch die Stippvisite ins Innere des Gotteshauses, das einst ein Simultaneum für Protestanten, Katholiken und Altkatholiken hatte. Schön sind die Seccomalereien im Chor sowie die Emporen im lutherischen Stil, allerdings gemäß reformierter Sitte ohne Bilder.

Bauernkriegsmuseum im hist. Fachwerkhaus
An die Französische Revolution erinnern in Nussdorf noch ein Dutzend Haustafeln mit Datumsangaben des Revolutions- und des gregorianischen Kalenders. Schon ein halbes Jahr nach dem Sturm auf die Bastille wählten die Nußdorfer Wahlbürger einen Bürgermeister, um so ihren Freiheitsdrang zu bezeugen. Ob dessen Wurzeln bis in den Bauernkrieg reichten, überließ der Historiker dem Urteil der interessierten Gäste aus dem Römerdorf.
Insgesamt eine schöne Stippvisite in Nußdorf, das stolz darauf ist, älter das benachbarte Landau zu sein. Die Fotos (Beil) geben einen kleinen Einblick in die Tour und mögen anregen, auf eigene Faust weitere Erkundungen anzustellen. Es lohnt sich.